Ganz generell: Je mehr sich eine Fremdsprache von Deutsch unterscheidet, desto schwieriger ist diese für uns zu lernen.
Insofern sind die
einfachsten Sprachen für uns diejenigen, die der deutschen Sprache am ähnlichsten sind (Holländisch, nordische Sprachen, Englisch).
Ähnlichkeit anderer Sprachen zu Deutsch
Der Prozentsatz der Ähnlichkeit zum Deutschen (nur grössere Sprachen):
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Germanische Sprachen
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Schwizerdütsch
Luxemburgisch
Holländisch
Afrikaans
Schwedisch
Färöisch
Friesisch
Isländisch
Gotisch (3-18. Jh)
Scots
Norwegisch
Dänisch
Englisch
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95%
88%
87%
84%
82%
80%
79%
78%
77%
77%
72%
72%
69%
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Indoeuropäische
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Serbokroatisch
Italienisch
Russisch
Polnisch
Rumänisch
Französisch
Spanisch
Portugiesisch
Griechisch
Nepalesisch
Hindi
Kurdisch
Persisch
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53%
52%
50%
47%
47%
44%
43%
41%
39%
36%
33%
26%
25%
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Nicht-Indoeuropäische
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Chinesisch
Baskisch
Finnisch
Zulu
Japanisch
Ungarisch
Nahuatl
Amharisch
Birmanisch
Guarani
Khmer
Xhosa
Inuktitut
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19%
18%
18%
18%
16%
15%
15%
14%
14%
13%
13%
13%
12%
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Diese Zahlen sind nicht unbedingt exakt und berücksichtigen zum Beispiel nicht, welche Sprachen andere Alphabete haben. Dennoch ist es ein guter Anhaltspunkt für eine anfängliche Übersicht.
Schwerste Sprachen: 3 Ursachen
Es gibt drei Hauptursachen, warum manche Sprachen
viel schwerer zu lernen sind als andere.
Die allerschwersten Sprachen vereinen
alle drei dieser Merkmale bzw. Hauptursachen in sich:
1. Exotisches Vokabular
Alle
indoeuropäischen Sprachen haben ähnliche Wortwurzeln. Zu dieser Sprachfamilie gehören
fast alle europäischen Sprachen und auch eine Reihe grosser nicht-europäischer Sprachen wie
Hindi oder
Persisch.
Die
nicht-indoeuropäischen Sprachen haben
keinerlei Ähnlichkeit im Vokabular zum Deutschen (abgesehen von modernen
Anglizismen in vielen Sprachen) und sind damit am schwersten, was die Vokabeln angeht.
2. Exotische Schriftsysteme
Es gibt neben der lateinischen Schrift noch etwa
35 andere Schriftsysteme. Hier ist ein Beispiel von drei südasiatischen Schriften:
Birmanische, Tibetische und Manipuri Schriften
Das
lateinische und das
kyrillische Alphabet basieren
beide auf der
griechischen Schrift, so wie auch die
armenische und die
georgische Schrift.
Diese Schriften sind ähnlich und für uns nicht so schwer zu lernen.
Bei den für uns
exotischeren Schriftsystemen gibt es diese Hauptgruppen:
Hervorzuheben ist dass der Grossteil der afrikanischen Sprachen die
lateinische Schrift verwendet und die
arabische Schrift in Nordafrika.
In Nord- und Südamerika kommt sogar ausschliesslich die lateinische Schrift zum Einsatz (Ausnahme: Inuktitut-Schrift). Das gleiche gilt für Eingeborenen-Sprachen in Australien und Ozeanien.
3. Komplizierte Grammatik
Das dritte Merkmal von sehr schweren Sprachen ist eine ungewöhnliche oder sehr umfangreiche Grammatik. Hier sind einige Beispiele:
Intonation ("Lexikalischer Ton") ergibt verschiedene Bedeutungen:
Sprachen mit sehr vielen grammatischen Fällen:
Sehr viele Konjugationsformen von Verben:
Viele asiatische Sprachen haben
keine Verbkonjugationen. Dazu zählen Chinesisch, Indonesisch, Vietnamesisch, Thai, Khmer und auch alle polynesischen Sprachen, sowie einige afrikanische Sprachen wie Yoruba.
Buchstaben und Laute, die es im Deutschen nicht gibt:
Khoisan-Sprachen (15 Klicklaute und über 100 Konsonanten)
Arabisch (Kehllaute und "emphatische Konsonanten")
Russisch (das berühmte "ы" und "tschsch")
Dänisch (25 Vokale, nur 8 im Deutschen)
Thai (44 Konsonanten, nur 21 im Deutschen)
Es sollte erwähnt werden, dass uralische (Ungarisch, Finnisch, Estnisch), türkische, kaukasische (Georgisch), einige nordamerikanische (Nahuatl), Inuktitut-Sprachen und Baskisch "
synthetischen Wortaufbau" haben.
Das bedeutet, dass diese Sprachen sehr viele Affixe und Suffixe verwenden, so dass jedes Wort
sehr viel länger werden kann.
Schwerste Weltsprachen
Bezüglich der
Weltsprachen ist es recht eindeutig, dass westliche Menschen
am längsten für das Lernen dieser Weltsprachen brauchen:
Keine davon ist indoeuropäisch und alle haben "exotische" Schriftsysteme.
Wobei
Koreanisch und
Arabisch etwas einfacher sein sollten, da diese Sprachen Alphabete haben – während in
Chinesisch und
Japanisch jedes Wort ein Einzelzeichen hat.
Damit müssen Tausende Zeichen gelernt werden, was sehr schwer ist.
Und Japanisch hat
drei Schriftsysteme, wobei zwei davon Alphabete sind.
Das sind
mit Sicherheit die schwierigsten
meistgesprochenen Sprachen.
Gibt es aber kleinere Sprachen, die noch schwieriger zu lernen sind?
Budapest, Ungarn
Schwerste europäische Sprachen
Interessant ist, dass auch einige
europäische Sprachen sich sehr stark vom Deutschen unterscheiden und damit schwer zu erlernen sind.
Das sind Sprachen, die
nicht zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehören.
Nicht-indoeuropäische Sprachen in Europa (über 500,000 Sprecher):
Maltesisch ist ein
arabischer Dialekt, während Türkisch, Kasachisch, Georgisch und Aserbaidschanisch
nur teilweise in Europa sind.
Was das Erlernen diese Sprachen weniger schwer macht ist dass die meisten davon das
lateinische Alphabet verwenden und durchaus viele
Lehnwörter aus benachbarten indoeuropäischen Sprachen haben.
Nur Georgisch hat ein eigenes Alphabet, das ebenfalls ursprünglich auf dem griechischen Alphabet basiert:
Georgisches Alphabet
Im europäischen Teil von Russland und im Kaukasus gibt es mehr nicht-indoeuropäische Sprachen: Kalmyk, Mari, Awarisch, Tschetschenisch, etc.
10 Schwerste Sprachen überhaupt?
Chinesisch: 22 von 30 Punkten
Vokabular: 7/10,
Schrift: 9/10,
Grammatik: 6/10
Chinesisch hat eine relativ
einfache Grammatik, abgesehen von den vier Arten der Intonation der Vokale, die die Bedeutung der Wörter ändern.
Im Chinesischen gibt es auch keine Verbkonjugationen und keine grammatischen Fälle bei anderen Wörtern.
Ein schwierigeres Schriftsystem als das Chinesische gibt es
weltweit aber nur im Japanischen.
Japanisch: 25 von 30 Punkten
Vokabular: 7/10,
Schrift: 10/10,
Grammatik: 8/10
Japanisch hat das
schwierigste Schriftsystem der Welt für Europäer. Dort gibt es gleich drei Schriftsysteme und eine davon enthält wie das Chinesische Tausende von Zeichen.
Auch die japanische Grammatik ist komplizierter als die Chinesische. Japanisch hat viele Verbkonjugationen, aber es hat keine Intonationen.
Und beide Sprachen haben einen für uns komplett fremden Wortschatz.
Ticuna: 19 von 30 Punkten
Vokabular: 7/10,
Schrift: 3/10,
Grammatik: 9/10
Ticuna ist eine Eingeborenen-Sprache im Amazonas mit 50.000 Sprechern.
Diese Sprache hat eines der kompliziertesten Intonationssysteme der Welt mit 14 Intonationen bzw. lexikalischen Tönen bei jedem Vokal und hat eine schwere
polysynthetische Grammatik.
Diese Sprache verwendet das lateinische Alphabet (mit extra Zeichen für 14 Intonationen), wie fast alle indigenen Sprachen in Nord- und Südamerika.
Arabisch: 22 von 30 Punkten
Vokabular: 7/10,
Schrift: 7/10,
Grammatik: 8/10
Die arabische Grammatik gilt als schwer, nicht zuletzt aufgrund relativ vieler Verbkonjugationen und einer umfangreicheren Anwendung der grammatischen Fälle.
Eine zusätzliche Schwierigkeit im Arabischen ist dass die Dialekte sich teilweise stark vom Standard-Arabischen unterscheiden.
Die arabische Schrift ist zwar ganz anders als die lateinische, aber es handelt sich um ein Alphabet. Es müssen nur die 28 Buchstaben gelernt werden - und nicht Tausende von Zeichen wie im Chinesischen.
Ungarisch: 16 von 30 Punkten
Vokabular: 6/10,
Schrift: 1/10,
Grammatik: 9/10
Die ungarischen Sprache unterscheidet sich stark von indoeuropäischen Sprachen – v.a. die Grammatik gilt als eine der komplexesten überhaupt.
Erleichtert wird das Ungarisch Lernen durch das lateinische Alphabet.
Das Grundvokabular hat zwar keine Ähnlichkeit zu Deutsch, aber es gibt durchaus viele Lehnwörter aus benachbarten Sprachen.
Inuktitut: 21 von 30 Punkten
Vokabular: 8/10,
Schrift: 5/10,
Grammatik: 8/10
Inuktitut sind die "Eskimo-Sprachen" in Nordkanada und Grönland.
Diese Sprachen haben grammatische Ähnlichkeit zum Ungarischen, Finnischen und Estnischen (uralische Sprachen). Im Gegensatz zu indoeuropäischen Sprachen gibt es sehr viele Affixe und Suffixe.
Alle Eskimo-Sprachen nutzen die lateinische Schrift, wobei es in Nordkanada noch eine zusätzliche
Inuit-Schrift gibt.
Das Vokabular weist einige kulturelle Eigenheiten auf, die schwierig sein können, so wie 40-50 Wörter für verschiedenen Arten von Schnee.
Thailändisch: 18 von 30 Punkten
Vokabular: 7/10,
Schrift: 6/10,
Grammatik: 5/10
Die Thai-Sprache ist überraschend schwer zu lernen, genauso wie die benachbarten Sprachen wie Birmanisch, Laotisch und Khmer.
Thai hat ein eigenes Alphabet, keine Ähnlichkeit zu westlichen Sprachen im Vokabular, aber eine relativ einfache Grammatik.
So wie im Chinesischen gibt es auch bei Thai fünf Intonationen, sowie 44(!) Konsonanten – also Buchstaben die es in westlichen Sprachen nicht gibt.
Khoisan-Sprachen: 21 von 30 Punkten
Vokabular: 8/10,
Schrift: 4/10,
Grammatik: 9/10
Die Khoisan-Sprachen in Namibien gehören zu den schwierigsten der Welt.
Diese haben nicht nur bis zu 15 verschiedene Klicklaute, sondern auch vier Intonationen und fünf "Phonationstypen" (wie die Lippen vibrieren).
Auch die Grammatik ist recht komplex, mit sehr vielen Verbkonjugationen, Affixen und Suffixen. Man kann einen ganzen Satz in ein Verb "packen".
Erleichtert wird das Lernen nur durch die Verwendung des lateinischen Alphabets mit vielen extra Zeichen für Klicklaute, Intonation, etc.
Koreanisch: 20 von 30 Punkten
Vokabular: 7/10,
Schrift: 6/10,
Grammatik: 7/10
Koreanisch zeichnet sich durch ein viel einfacheres Schriftsystem im Vergleich zu Japanisch und Chinesisch aus.
Es hat ein Alphabet mit 40 Zeichen, was sehr viel einfacher zu lernen ist als Tausende von Zeichen.
Die koreanische Grammatik ist sehr komplex, gilt aber als etwas einfacher als die Japanische.
Xhosa: 17 von 30 Punkten
Vokabular: 8/10,
Schrift: 2/10,
Grammatik: 7/10
Die Xhosa-Sprache in Südafrika (eng verwandt mit Zulu) gilt als eine der schwersten in Afrika.
Es werden mehrere Klicklaute verwendet, viele Konjugationen und Deklinationen, sowie Affixe und Suffixe.
Was Xhosa dagegen viel einfacher macht als andere Sprachen in dieser Liste ist die Verwendung des lateinischen Alphabets – auch wenn das Geschriebene und Gesprochene sich stark unterscheiden können.
10 der schwersten Sprachen der Welt wären also:
Japanisch: 25 von 30 Punkten
Chinesisch: 22 von 30 Punkten
Arabisch: 22 von 30 Punkten
Khoisan: 21 von 30 Punkten
Inuktitut: 21 von 30 Punkten
Koreanisch: 20 von 30 Punkten
Ticuna: 19 von 30 Punkten
Thai: 18 von 30 Punkten
Xhosa: 17 von 30 Punkten
Ungarisch: 16 von 30 Punkten
Dass
Japanisch an der Spitze ist scheint sicher zu sein - es hat das weltweit schwerste Schriftsystem, eine komplexe Grammatik und einen Wortschatz, der keinerlei Ähnlichkeit zum Deutschen hat.
Es kann durchaus sein, dass
kleine exotische Sprachen (z.B.
indigene Sprachen in Australien) in der Praxis noch schwieriger zu lernen sind als manche der Sprachen in dieser Liste.
Schon allein weil es für so kleine Sprachen kaum Lernmaterialien gibt.
Dennoch zeigt das Beispiel der
Ticuna-Sprache, einer sehr komplexen indigenen Sprache aus dem Amazonas, dass diese nicht an die Komplexität eines Schriftsystems mit Tausenden von Zeichen herankommt.
Oder die
Xhosa-Sprache aus Südafrika, die zwar viele ungewöhnliche Laute verwendet und eine schwere Grammatik hat, aber auch mit dem lateinischen Alphabet geschrieben wird.
Ausserdem sollte berücksichtigt werden, dass
ähnliche Sprachen eine ähnliche Platzierung in dieser Liste hätten, z.B. Birmanisch und Laotisch wie Thai, Zulu wie Xhosa, Finnisch und Estnisch wie Ungarisch.
Australien hat einige sehr schwere Sprachen (
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